Ein Smarthome für Igel

Vor einiger Zeit haben wir ein Igelhaus gekauft und im Garten platziert, um den stacheligen Gesellen einen Ort für ihr Nest oder den Winter zu bieten.

Lange Zeit stand das Haus ungenutzt da, aber hartnäckiges Futter-Angebot in der Nacht hat dann vor ca. vier Wochen doch einen Igel zu uns geführt.

Bei gutem Wetter in der Nacht haben wir die Indoor-Kamera draussen im Garten aufgestellt und konnten „Spiky“, wie wir ihn sehr kreativ genannt haben, in der Nacht beobachten.

Nach einigen Nächten, in denen das Futter im Garten stand, haben wir die Näpfe in Richtung des Igelhauses verlagert und dann, als er sich daran gewöhnt hatte, auch ins Haus. Und so verschwand der kleine Kerl dann mehrmals in der Nacht im Igelhaus und wir wussten nicht, was er da so macht. Die Näpfe waren morgens immer schön ausgeleckt – aber so lange kann ein Igel dafür ja wohl nicht brauchen 🙂

Also musste eine Kamera in das Igelhaus, um ihn auch dort beobachten zu können. Nach wenig erfolgreicher Recherche im Netz habe ich dann einen RaspberryPI Zero W mit Gehäuse und eine Nachtsichtkamera mit 160° Objektiv bei Pimoroni  bestellt. Schon am nächsten Tag war die Lieferung da. Was nun nur noch fehlte war eine Micro-SD Karte: die einzige, die ich noch hatte, war in einem komischen Read-Only-Modus und ließ sich weder am Mac noch unter Linux beschreiben. Also beim nächsten Elekto-Markt eine 16GB Karte gekauft, war ja zum Glück Samstag und damit geöffnet…

Über Twitter hatte ich vom Matt Nayler einen super Hinweis auf eine spezielle Distribution bekommen: MotionEyeOS. Dieses Mini-Linux gibt es für diverse Plattformen und es war schnell per Etcher auf die SD-Karte kopiert. Das automatische Setup-Skript hat auf dem Mac leider nicht funktioniert. Aber nach dem Kopieren die DOS-Partition mounten und die WLAN-Parameter in einer Konfigurationsdatei eintragen war kein großer Aufwand.

Der RaspberryPI bootet mit der SD-Karte, verbindet sich mit dem WLAN und stellt dann eine Weboberfläche zur Verfügung, über die man alles weitere konfigurieren kann. MotionEyeOS ist eine vollständige Überwachungskamera-Lösung, die mehrere Kameras verwalten kann (natürlich auch die Raspi interne) und Bewegungserkennung, Aufnahme von Video und Schnappschüssen usw. bereitstellt. All das brauche ich aber nicht, weil das alles die Synology Diskstation mit DS-Cam übernehmen soll, die ja schon die Aufnahmen der anderen Kamera verarbeitet. MotionEyeOS kann dafür einen „Fast Network Mode“, in dem die GPU des Raspis die meiste Arbeit übernimmt, aber dafür Dinge wie Overlay nicht mehr gehen. Aber ich brauche ja auch nur einen MJPEG-Stream für die Synology.

Die Einrichtung in DS-Cam war relativ einfach, man muss nur darauf achten, dass man dort als Username „user“ und kein Passwort angibt. Im Browser läuft das auch ohne User, aber DS-Cam findet die Kamera sonst nicht.

Die Installation der Kamera im Igelhaus war auf relativ einfach: ein paar Kabelbinder an den Deckel getackert, ein paar Scharniere damit der Deckel nicht mehr zu weit weg kann und ausserhalb des Hauses eine Kunststoffbox, die eigentlich zum Verbinden von Kabel beim Camping gedacht ist, um das Steckernetzteil aufzunehmen. Damit ist das Ganze gut vor Wasser geschützt.

Und so sieht mein Igel-Smarthome dann aus, wenn es fertig ist:

Und dann war Spiky natürlich auch zur Wohnungsbesichtigung da:

Quatsch, das ist natürlich nicht Spiky, den hier haben wir vor kurzem auf einem Markt gefunden 🙂

SO schaut es dann in der Nacht aus:

Und nun wissen wir auch, was der Igel so lange im Haus macht: Schlafen!

Nun hoffen wir, dass der Kerl sich unser Igelhaus für den Winter einrichtet. Die Wahrscheinlichkeit ist zwar nicht besonders groß, weil wir ja direkt am Wald wohnen und der dort vermutlich ein gemütlicheres Winterlager findet, aber vielleicht haben wir ja Glück!

Plan für die Zukunft: So leicht kommt mir ein Igel nicht davon! Wenn ich schon im Haus überall die Temperatur und Luftfeuchtigkeit messe, dann natürlich auch im Igelhaus – soll ja schliesslich ein SmartHome für Spiky werden. Das sollte eigentlich kein Problem sein, weil der RaspberryPI ja genügend Anschlüsse bietet.